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Next Generation Networks: Wie neutral bleiben die Netze der Zukunft?

Braunschweig, 16.06.2010: Next Generation Networks (NGN) werden in naher Zukunft alle heutigen öffentlichen Kommunikationsdienste auf einer Netzplattform zusammenführen. Doch wie neutral können diese Netze in Zukunft bleiben, sodass weiterhin jeglicher Datenverkehr diskriminierungsfrei übertragen wird? Damit befasste sich jüngst ein Symposium der niedersächsischen ITK-Initiative ikn2020 in Braunschweig.

Triple Play, IP-TV, Voice over IP – die Verschlagwortung der neuen Dienste ist zahlreich, doch was liegt ihnen eigentlich zugrunde? Egal ob Telefonie, Video oder Fernsehen über das Internet, den neuen Diensten ist eines gemeinsam, sie benötigen eine konvergente, IP-basierte Netzplattform, die Datenverkehr schnell und sicher transportiert. Diese sogenannten Next Generation Networks (NGN) werden das heutige ISDN ersetzen und viele weitere Dienste ermöglichen. "Netzneutralität spielt dabei eine große Rolle", betont Professor Diederich Wermser, Vorstandsvorsitzender des TELIAISON e.V. und ikn2020 Clustermanager für das Leitthema Next Generation Networks. "Alle Datenströme müssen auch künftig diskriminierungsfrei und unverfälscht transportiert werden. Das benötigt aus technischer Sicht einheitliche Standards und diese sind für NGNs momentan nur begrenzt in Sicht."

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Standardisierung entscheidend für Netzneutralität

Wie wichtig diese Einheitlichkeit ist, erläuterte Wermser an einem Beispiel: In den deutschen Mobilfunknetzen ist jedes kompatible Endgerät nutzbar, egal von welchem Hersteller. Die notwendigen Standards sind dafür schon mit der Vergabe der Mobilfunklizenzen von der Bundesnetzagentur festgelegt worden. Im NGN-Markt ist diese Regulierung bisher nicht erfolgt, sodass es verschiedenste Anbieter und gleichzeitig keine vollständig standardisierten Schnittstellen gibt. "Zwar basieren alle NGNs auf IP und das wird durch die Internet Engineering Task Force (IETF) permanent weiter entwickelt, doch wie diese Standards zu interpretieren sind, darüber herrscht wenig Einigkeit", erklärt Wermser. "Das hat zum Beispiel zur Folge, dass die Autoprovisionierung der Geräte unterschiedlich von statten geht und so keine volle Kompatibilität der Geräte erreicht werden kann." So setzen die Anbieter von IP-TV jeweils auf ganz unterschiedliche Geräte, an die der Verbraucher beim Abschluss eines Vertrages gebunden ist – und erschweren ihren Kunden damit den Wechsel zu einem anderen Anbieter erheblich.

Dr. Frederic Ufer vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (vatm) wies auf die Notwendigkeit hin, trotz der prinzipiellen Gleichbehandlung aller Inhalte die Priorisierung von Datenpaketen zuzulassen: "Netzneutralität hat einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Alle Datenpakete sollen gleichberechtigt übertragen werden, unabhängig woher sie stammen, welchen Inhalt sie haben oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben. Gleichzeitig kommen wir um gewisse Qualitätskriterien nicht umhin. Priorisierung von Datenströmen und Netzwerkmanagement sind unumgänglich, um der stetig größer werdenden Dienstevielfalt zu begegnen."

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Die Referenten diskutierten auch untereinander angeregt (von links): Prof. Dr. Diederich Wermser (Clustermanger ikn2020), Frank W. Ruloffs (EWE TEL GmbH), Dr. Frederic Ufer (Verband der Anbieter von Telekommunikations und Mehrwertdiensten e.V. – vatm), Steffen Schmitt (Bundesnetzagentur)

Neue Herausforderungen für die ITK-Branche

Einig waren sich alle Teilnehmer des Symposiums darüber, dass die Einführung von NGNs viele Herausforderungen mit sich bringt: Auf allen Ebenen werden neue Geschäftsmodelle, Technologien und Standrads entstehen. Das betonte auch Steffen Schmitt von der Bundesnetzagentur: "Die Wertschöpfung verschiebt sich. Früher erzielten Provider ihren Umsatz durch den Betrieb des
Netzes und ihr Diensteangebot. Heute ermöglichst es ein NGN Dritten, unabhängig vom Netzbetrieb eigene Dienste anzubieten. Da ist Transparenz für den Nutzer unbedingt erforderlich, um Probleme der Netzneutralität zu vermeiden."



Über TELIAISON
"Einfach stark. Zusammen stärker" lautet die Devise der TELIAISON, einem Zusammenschluss von sechs mittelständischen Unternehmen, der Technischen Universität Braunschweig und der Ostfalia - Hochschule für angewandte Wissenschaften, Braunschweig/Wolfenbüttel. Gemeinsam stärken sie die Informations- und Kommunikationsbranche in der Region und fungieren seit 2009 auch als Clustermanager der ikn2020 in Südostniedersachsen. In der Initiative "ikn2020 – das digitale Niedersachsen" haben sich acht Regionen des Landes zusammengeschlossen, um für die IuK-Branche gemeinsam Wachstumspotenziale zu erschließen und die Innovationsfähigkeit des Standortes Niedersachsen zu fördern.


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